Kunst – ein sinnliches Erlebnis das bewegt

Unser Anliegen ist es, starke Positionen im Dickicht des Kunstschaffens zu erkennen und diese den Kunstliebhabern anzubieten.

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Wege der Abstraktion in Südtirol 03.07 - 28.08.20

Die Vijion Art Gallery in St. Ulrich stellt Werke der Künstler Oswald Oberhuber, Hans Ebensperger, Peter Fellin, Josef Kostner, Michael Höllrigl, Bruno Vallazza und Luis Piazza aus. „Abstraktion“ ist ein ausgedehnter Begriff. Darunter verstehen wir jene ungegenständlichen, nicht figürlichen Darstellungen. Im Laufe der Kunstgeschichte hat sich eine Vielfalt künstlerischer abstrakter Ausdrucksformen entfaltet. Formen der Abstraktion reichen zurück bis in die Welt früher orientalischer und primitiver Kunst. Die entmaterialisierte Fähigkeit des Sehens haben Künstler zu permanent, wandelnden Möglichkeiten gebracht. Die abstrakte Kunst der Moderne hat schon in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ihre ersten Entfaltungen hervorgebracht. Abstraktion ist die Sprache der Freiheit, denn sie ist ein Ausdrucksmittel für Unvermittelbares. Die neue Herausforderung, der sich die abstrakten Künstler stellten, beschrieb Kandinsky 1913 folgendermaßen: „Eine erschreckende Tiefe, eine verantwortungsvolle Frage, und die wichtigste: Was soll den fehlenden Gegenstand ersetzten?“ Mit der Entmaterialisierung der Abstraktion öffnete sich den Künstlern das stufenweise Fortschreiten zu höheren Bewusstseinszuständen.Ihren Höhepunkt erreicht die Abstraktion in den späten 40er bis frühen 60er Jahren. In Europa wurde diese abstrakte Kunstrichtung mit dem Namen „Informel“ bekannt, während sie in Amerika „Abstrakter Expressionismus“ bezeichnet wurde. Was diese beiden Kunstströmungen verbindet, ist das „Prinzip der Formlosigkeit“, als Ausdruck des Weltverlusts. Es ist dies eine Kunst des Existenzialismus und der Selbstfindung. Der Künstler öffnet sich allen Kräften, nimmt Teil an ihnen und ist Teil davon. Es beginnt eine neue Auseinandersetzung mit dem Ich. Die Erkennung der eigenen, persönlichen Wahrnehmung ist eine Folge der schockierenden Wirklichkeit der Kriegsjahre. Die Transformation des Gesehenen hat die Künstler zu einer gestischen Bildformulierung geleitet. Aus der Orientierungslosigkeit und dem Verlust jeglicher Ordnung konnte sich die Ausdrücklichkeit des Ichs behaupten. Die grundlegende Charakteristik des Informel ist es, keine Absicht oder Bewusstsein der Bildformulierung zu haben. Allein die Gestik, geleitet von Spontaneität und Empfinden, führen die Kunst bis an die Grenze der Unverständlichkeit. Physische und gedankliche Ereignisse verändern fortwährend das Bewusstsein einer Person, als wäre der Geist biegsame Materie.Diese avantgardistischen abstrakten Tendenzen konnten die peripheren und alpenländischen Regionen nur verzögert erreichen. Dennoch haben Südtiroler Künstler in ihren ausländischen Studienjahren das zeitliche Kunstgeschehen erfahren und konnten bereits in den 60er Jahren mit der abstrakten Moderne mithalten.  Oswald Oberhuber Eine zentrale Figur der avantgardistischen Abstraktion ist sicherlich Oswald Oberhuber, geboren 1931 in Meran. Als Schüler von Fritz Wotruba und Willi Baumeister, wurde er 1973 zunächst zum Professor und anschließend zum Rektor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien ernannt. Oberhubers künstlerische Tätigkeit lässt sich nicht einordnen und wird wahrscheinlich auch keine Symbolfunktion erfüllen können. Es geht ihm um das Variieren der benützten Medien, sowie um die Verwendung von verschiedenen Formprinzipien. Es ist kaum möglich, die Bedeutung Oberhubers künstlerische Position einzuschätzen. In den wandelnden Schaffensperioden wechselt der Künstler fortwährend Form und Position. Seine Werke werfen neue Fragen auf, schaffen Unordnung und stören unsere gewohnte Sicherheit. Oberhuber selber hat sich für Unberechenbarkeit, Widerspenstigkeit, Kritik, Ärger und inneren Zweifel entschieden, um der Sterilität und der Wiederholung aus dem Weg zu gehen. Sein Thema ist der einmalige Augenblick, in dem das Kreative potentiell Gestalt annimmt. Opakes Unbehagen hinter oberflächiger und offensichtlicher Schönheit macht die eigentliche Kunst in Oberhubers Oeuvre aus. Um Oberhubers künstlerischer Haltung näher zu kommen, ist sein folgendes Zitat bedeutend: „Der Künstler hat ein Sensorium, ein sehr zeitbezogenes. Es gibt Gefühlslagen, die nur jetzt entstehen können. Es gibt Momente, in denen ich nur etwas bestimmtes aussagen kann, ich unterliege diesem Zwang. Bedürfnisse treten auf, und die bemerkt der Künstler. Ich kann Kunst nicht definieren, ich kann eventuell nur das Gefühl einer Situation definieren.“  Hans Ebensperger Eine weitere künstlerische Persönlichkeit, die sich vom traditionellen Kunstklima abheben konnte, ist der 1929 in Prad geborene Künstler Hans Ebensperger. Durch seine frühe Begabung bekam er die Möglichkeit, dem Künstlers Max Weiler bei der Ausmalung der Hungerburg zur Seite zu stehen. Nach dem Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, als Schüler Herbert Böckels, kehrte er nach Südtirol zurück. Die Naturverbundenheit und die einsamen Wanderungen in den Südtiroler Bergen, bestätigten ihm stetig seine große Bewunderung für das Naturwunder. Wie er selbst sagte: „Ich bin glücklich, dass ich teilnehmen darf an diesem Geschehen des Seins.“ Diese bedeutenden Worte Ebenspergers sind die Substanz seines Kunstschaffens. Es sind Werke, die mit Demut und Ehrfurcht das Universelle wertschätzen. Immer mehr entfernt sich Ebensperger der Figuration und wendet sich einer lyrischen Abstraktion, in der sich Farbformen ineinander auflösen und in das Mysterium der Welt eindringen. Einer seiner wichtigsten Aufträge ist die Gestaltung des Privathauses von Karl Nicolussi – Leck. Nach unheilbarer Krankheit starb Hans Ebensberger im Jahre 1971.  Peter Fellin Ein weiterer Schüler von Herbert Böckel war der 1920 im Nonstal geborene Peter Fellin, der in seinem Kunstschaffen eine relevante Entwicklung hin zur Reduktion durchlaufen hat. Nach einer schweren Kindheit - als letztes von sechzehn Kindern geboren und mit drei Jahren schon Vollweise - folgten auch noch prägende Kriegsjahre an der Front. Nach dem Krieg ließ er sich in Meran nieder, wo sich seine künstlerische Begabung entfalten konnte. Bereits in den späten 50er Jahren wendet sich Fellin einer neuen Kunstrichtung zu, welche sich in Form und Farbe auf das Essenzielle beschränkt. Die Reduktion veranschaulicht sein beharrliches Suchen nach Intensivierung des Inhalts.  Michael Höllrigl Nicht Farben, sondern Schwarz – Weiß bestimmen das Werk des Künstlers Michael Höllrigl. Höllrigl, 1936 in Laas geboren, begann 1961 sein Studium an der Akademie in München. Seine künstlerischen Arbeiten sind in der Freizeit entstanden, auf seinem Hof in Parnetz. Wie er selbst sagt: „Ich warte den Moment ab, die Spannung, ohne die nichts passiert. Alles muss in ein bis zwei Stunden passieren. Danach sind die Kraft und die Konzentration weg.“ Für seine, aus den Emotionen des Augenblicks entstandenen Zeichnungen verwendet er hauptsächlich Kohle, welche Korrekturen nicht zulässt. Sehr signifikant beschreibt Höllrigl seine Zeiten der Neufindung als „Gang in die Wüste“. Im Nichts kann man sich konzentrieren und zu neuem Bewusstsein kommen. Höllrigls Zeichnungen lassen Körper- und Landschaftsdarstellungen in einem verdichteten Liniengefüge verfließen. Die Formfindung entsteht erst im Zeichenprozess, denn wie er selbst sagt: „Die Hand weiß mehr als der Kopf.“In den 70er Jahren sind seine Werke noch kubisch orientiert. Gerade Linien werden dann vollkommen aufgegeben, um sich entschlossenen gestischen Linien zuzuwenden. Die eruptive Vehemenz seiner Zeichnungen betont seine Suche nach Unendlichkeit und kosmischer Energie.  Josef Kostner Zum traditionellen Bildhauer ausgebildet, sucht Josef Kostner, 1933 in St. Ulrich geboren, bereits in jungen Jahren nach einem ganz persönlichen Weg, Kunst zum Ausdruck zu bringen. Der ersehnteBesuch einer Kunstakademie blieb ihm verwehrt. 20 Jahre lang hat er an der Kunstschule von Wolkenstein und St. Ulrich unterrichtet. Um sich diesen, wie er selbst sagte „geerbten Holzkomplex auszuweichen“, entstanden in den 60er Jahren abstrakte, biomorphe Skulpturen, in dessen Linien und Struktur in einem dynamischen Wechselspiel stehen. Ab den 70er Jahren bildete Kostner eine neue reduzierte und klare Kunstlinie, die von geschlossenen kompakten Formen charakterisiert ist. Von den linearen Abstraktionen wendete sich Kostner einer neuen Schaffensphase zu, wo der menschliche Körper zum Mittelpunkt wurde. Im Gesamtwerk des Künstlers erkennt man eine Manifestation seiner Spontaneität und Expressivität. Kostner war sein Leben lang nicht gefällig und kommerziell gesinnt. Er folgte nie einer Zeitströmung, sondern blieb seinem eigenen Stil über die Jahre hinweg treu.Damit hat er sich weit über das Konventionelle des „Schönen“ hinausgewagt. Bruno Vallazza Ein weiterer Pionier der skulpturalen Abstraktion im Grödental ist Bruno Vallazza (1935 – 2016). Nachdem Vallazza, in der Kunstschmiede seines Vaters gelernt hatte, besuchte er die Akademie in Florenz. Eine besondere Gelegenheit ergab sich ihm, als er im Jahre 1958 einige Skulpturen auf der EXPO in Brüssel schaffen konnte. Während seiner vielen Reisen tauschte er sich mit Künstlern wie Miguel Berrocal, Eduardo Chillida oder Simon Benetton aus. Unendlich war seine Wissbegierde, nicht nur nach Kunst, sondern auch Philosophie, Geschichte, Musik und Natur waren seine Interessenspunkte. Er schmiedete eine Vielzahl an sehr linearen Skulpturen, von denen er sich meist nur dann trennte, wenn das Geld zum Überleben nicht mehr reichte. Sein Weltbild war von einem sehr skeptischen und kritischen Blick auf die Menschheit geprägt. Konsum und Materialismus in der Welt waren ihm zuwider. Luis PiazzaEin Grödner der besonderen Art war der 1908 in St. Ulrich geborene Künstler Luis Piazza. Über 30 Jahre hat er mit großer Hingabe in der Kunstschule unterrichtet. Er war Mitglied der Künstlergruppe Ruscel. Bereits seine Skulpturen, sei es in Holz oder Bellerophon, zeigen eine große Weite und Sinnlichkeit. Piazza war ein Gefühlsmensch, dessen Wahrnehmungen des Kosmos in seinem Werk wirken. In den 70er Jahren entfaltete Luis Piazza eine persönliche, sehr signifikante Kunstrichtung. Vollkommen frei und von jeglichen realen Abbildungen entfernt, zeichnete er gestische Linien, die sich erst im Laufe des Malprozesses zum Kunstwerk entfalteten. Mit diesen nonverbalen Kunstwerken dringt er in eine sublime, geistige Welt ein.  In der Ausstellung „Wege zur Abstraktion in Südtirol“ möchte die Vijion Art Gallery in Pontives 26 39046 St. Ulrich/Gröden einige der einflussreichsten Südtiroler Künstler hervorheben, die die abstrakte Moderne in Südtirol bestimmt haben.     

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Ausgewählte Kunst
bei Vijion Art Gallery

Die Kunstgalerie in Gröden bietet Werke aus Malerei und Bildhauerei von der klassischen Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst.

Grödental, ein Tal mit großer künstlerischer Tradition. Hier geboren zu sein, heißt nicht nur von einer faszinierenden Dolomitenlandschaft umgeben zu sein, sondern auch eine Verbindung zu einer kulturell geprägten Bevölkerung zu genießen. Vom frühen 17. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit erlangten die künstlerischen Fähigkeiten der Holzschnitzkunst weltweite Anerkennung. Aus dieser Tradition des Grödentales haben sich innovative, zeitgenössische Künstler entfaltet. Dieses von Künstlern belebte Umfeld war den Kunstliebhabern und Kunstsammlern Valentine und Egon Stuflesser Anregung genug, um im Jahre 2010 die Vijion Art Gallery zu gründen.
Es mag nicht sonderlich klingen, dass auch Valentine und Egon in meisterlichen Werkstätten aufgewachsen sind. Schon im Kindesalter konnten sie ihre Fantasie mit den vorzufindenden Werkstattutensilien wie Farben, Stemmeisen oder Holz ausleben. Durch den späteren Besuch der heimischen Kunsthochschule haben die beiden Galeristen Valentine und Egon wichtige Grundkenntnisse über Kunstgeschichte und Kunstverständnis erworben. Nachdem beide das Meisterdiplom abgeschlossen hatten, war der Weg, mit und für die Kunst zu leben, unausweichlich.

Umgeben vom intensiven Kunstschaffen des Tales, entwickelte sich bei Valentine und Egon der Wunsch, diese heimischen Kunstfähigkeiten zu präsentieren und zu vermarkten. Ein wichtiger Anstoß war dabei sicherlich auch die Vermarktung des väterlichen Kunstschaffens der Galeristin Valentine. Ihr Vater, der Künstler Josef Kostner, zählt zu den avantgardistischen Südtiroler Künstlern seiner Zeit.
Die stetige Neugier und Begeisterung der Galeristen, ständig neue Formen des Kunstschaffens zu entdecken, haben sie über ihre heimischen Grenzen gebracht. Es fasziniert die Galeristen Valentine und Egon immer wieder von neuem, in dieser so ungewöhnlichen, umfassenden Kunstszene zu forschen und Talente herauszulesen. Heutzutage sind die materiellen und realisierbaren Möglichkeiten unerschöpflich. Diese vielseitigen Ausdrucksformen erfordern beim Galeristen ein fundiertes Grundwissen und vielfaltige Erfahrungen. Es liegt im Können des einzelnen Galeristen, inmitten dieses vielseitigen Kunstschaffens die authentische und tiefsinnige Kunst hervorzuheben.
Durch die Mitgliedschaft bei verschiedenen Vereinen wurden die organisatorischen und sozialen Kompetenzen der Galeristen ausgebaut. Valentine konnte als Präsidentin und Ausschussmitglied von Vereinen, darunter auch im Jahre 2017 als Präsidentin des Museums Gröden, zahlreiche Erfahrungen sammeln. Egon war viele Jahre Bergrettungsmitglied. Doch eine besondere Herausforderung war für ihn war es, die Leitung als Präsident der Kunstmesse Unika in den Jahren 1999 bis 2004 übernommen zu haben. Als Ausschussmitglied der Kunstmesse Unika wirkt er bis heute noch.
Die Kunst ist für das Galeristenpaar Valentine und Egon eine lebenslange Leidenschaft geworden. In der Kunst finden sie immer wieder neue emotionale Impulse und gedankliche Spannungen. Gerade diese Erlebnisse, die sie in den verschiedenen Ausdrucksformen erleben und erfahren, möchten die Galeristen mit Sammlern und Liebhabern teilen.

Kunst soll ein sinnliches Erlebnis sein, das begeistert und bewegt, fern von den spekulativen Tendenzen.

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