Ausstellung - PARADEISER
07.08 - 29.08.26
Der historische Begriff des „Paradiesapfels“ bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung „Paradeiser“. Der Titel verbindet den Paradiesapfel mit dem Begriff des Paradeisers und eröffnet einen Assoziationsraum zwischen Mythos und Gegenwart, Natur und Kultur, Erinnerung und Zukunft.
Die Ausstellung versteht den Garten nicht als idyllischen Rückzugsort, sondern als Ort permanenter Transformation. Wachstum und Vergänglichkeit, Fürsorge und Eingriff, Fülle und Verlust existieren hier nebeneinander. Der Garten wird zum Bild eines lebendigen Beziehungsgefüges, in dem sich ökologische, gesellschaftliche und kulturelle Prozesse überlagern.
„Paradeiser“ versteht das Paradies nicht als verlorenen Ursprungsort, sondern als Modell einer Beziehung zur Welt. Der Garten wird zum Ort, an dem sich Fragen nach Fürsorge, Koexistenz und gegenseitiger Abhängigkeit verdichten. Vor dem Hintergrund ökologischer und gesellschaftlicher Umbrüche untersuchen die vier künstlerischen Positionen, wie sich das Verhältnis zwischen menschlichen und mehr-als-menschlichen Lebensformen neu denken lässt.
Die gezeigten Arbeiten richten den Blick auf die Verflechtungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Landschaften. Sie begreifen Gärten als Orte des Erinnerns, der Transformation und des Werdens und entwerfen Bilder einer Natur, die nicht Kulisse oder Ressource ist, sondern eigenständiges Gegenüber – verletzlich, widerständig und in stetiger Veränderung.
„Paradeiser“ lädt dazu ein, vertraute Vorstellungen von Natur und menschlicher Existenz neu zu betrachten. Zukunft wird dabei nicht als Rückkehr zu einem idealisierten Paradies verstanden, sondern als gemeinsame Praxis des Mit-Seins – als fortwährender Prozess des Aushandelns, der Fürsorge und der Verantwortung innerhalb eines vielschichtigen Netzes des Lebens.
Die Ausstellung „Paradeiser“ in der Vijion Art Gallery in Pontives ist im Zeitraum des Artfestivals Gröden vom 7. bis 20. September 2026 täglich von 16 bis 19 Uhr zu besichtigen. Am Samstag, den 12.09.2026 um 11 Uhr findet eine Eröffnungsfeier mit Aperitif statt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Die Ausstellung PARADEISER in der Vijion Art Gallery in Pontives ist im Zeitraum des Artfestivals Gröden vom 7. bis 20. September 2026 täglich von 16 bis 19 Uhr zu besichtigen. Am Samstag, den 12.09.2026 um 11 Uhr findet eine Eröffnungsfeier mit Aperitif statt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Teilnehmende Künstler*innen: Julia Bornefeld, Florian Borkenhagen, Philipp Putzer und Mischa Sanders
Julia Bornefeld
Julia Bornefeld, geboren 1963 in Kiel, studierte Malerei an der Kunsthochschule in Kiel sowie an der Akademie der Bildenden Künste in Venedig bei Emilio Vedova und an der Akademie der Bildenden Künste in Ljubljana.
Das Werk der Künstlerin zeichnet sich durch eine konsequent medienübergreifende Praxis aus. Malerei, Skulptur, Fotografie, Performance und raumbezogene Installationen treten in einen vielschichtigen Dialog und bilden ein offenes Gefüge, in dem Material, Form und Raum gleichermaßen Bedeutungsträger werden. Bornefeld erweitert den traditionellen Kunstbegriff um konzeptuelle und zeitgenössische Fragestellungen, die Identität, Transformation und Wahrnehmung in den Mittelpunkt rücken.
Charakteristisch für ihr Schaffen ist der experimentelle Umgang mit unterschiedlichen Materialien und deren spannungsreiche Koexistenz. Organische und anthropomorphe Formen begegnen einer kraftvollen, abstrakt-expressionistischen Bildsprache, die sich gleichermaßen in Malerei, plastischen Arbeiten und begehbaren Rauminstallationen manifestiert.
Über Jahrzehnte hat Julia Bornefeld ein eigenständiges künstlerisches Œuvre entwickelt, das den Dialog zwischen Werk, Raum und Betrachter in den Fokus stellt. Ihre Arbeiten eröffnen Erfahrungsräume, in denen gewohnte Wahrnehmungsmuster aufgelöst und neue Bedeutungsebenen erfahrbar werden. Zwischen sinnlicher Materialität und konzeptueller Reflexion entstehen Werke von großer physischer Präsenz und poetischer Intensität, die den Betrachter dazu einladen, vertraute Sichtweisen zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen.
Florian Borkenhagen
Der aus Deutschland stammende Künstler und Designer Florian Borkenhagen ist Professor an der Akademie für Mode & Design in Hamburg. Seine künstlerische Laufbahn führte ihn in Ateliers nach Paris, Como und München; darüber hinaus realisierte er Workshops und Projekte unter anderem in Rom, Dakar und Kairo.
Borkenhagens Werk bewegt sich bewusst an der Schnittstelle von Kunst und Design. Seit 1982 sind seine Arbeiten in zahlreichen Galerien und Museen Europas und der USA zu sehen, darunter auf der documenta 8 in Kassel.
Im Zentrum seines Schaffens steht die Transformation des Alltäglichen. Vertraute Gegenstände werden durch Dekonstruktion, Umdeutung und spielerische Neuinszenierung ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und in einen neuen Bedeutungszusammenhang überführt. Mit konzeptioneller Präzision und subtilem Humor eröffnet Borkenhagen ungewohnte Perspektiven auf die Realität und lädt den Betrachter dazu ein, Gewohntes neu zu sehen.
Fundstücke und Alltagsobjekte werden zu Trägern kritischer und gesellschaftlicher Reflexion. Indem er Bekanntes verfremdet und neu zusammensetzt, schafft Borkenhagen Werke, die zwischen Irritation und Erkenntnis oszillieren und unsere Wahrnehmung ebenso wie unsere Denkgewohnheiten hinterfragen.
Sein vielschichtiges Œuvre kreist um die Paradoxien und Absurditäten des menschlichen Alltags. Mit feinem Witz und analytischer Schärfe entwickelt er eine Bildsprache, die das Gewöhnliche in etwas Unerwartetes verwandelt und den Blick auf die Welt nachhaltig verändert.
Philipp Putzer & Mischa Sanders
Philipp Putzer und Mischa Sanders, beide Jahrgang 1994, bilden ein Künstlerduo, das sich durch einen experimentellen und materialorientierten Ansatz auszeichnet. Mischa Sanders wurde in den Niederlanden geboren und studierte zunächst Kunst in Besançon, Frankreich, bevor sie ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden abschloss. Philipp Putzer, geboren in Innsbruck, studierte Bildhauerei an derselben Hochschule. Gemeinsame Arbeitsaufenthalte und Projekte führten das Duo unter anderem nach Portugal, Frankreich, in die Elfenbeinküste und den Senegal, wo sie ihre künstlerische Praxis kontinuierlich erweiterten.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Transformation von Material und Bedeutung. Gefundene Objekte, Fragmente und Zeichnungen werden gesammelt, miteinander verbunden und in komplexe skulpturale Kompositionen überführt. Durch diesen prozesshaften Umgang entstehen Werke, in denen sich Formen kontinuierlich verändern und zwischen Erinnerung, Imagination und materieller Realität oszillieren. Die Arbeiten erinnern an Wracks, archäologische Fundstücke oder architektonische Relikte, deren Spuren vergangener Zeit in der Gegenwart fortwirken.
Risse, Fugen und ornamentale Strukturen werden zu sichtbaren Trägern von Erinnerung und Geschichte. Organisch anmutende Formen lassen Assoziationen zu Vegetation, Wachstum und Verfall entstehen und verleihen den Arbeiten eine besondere Ambivalenz zwischen Natur und Architektur, Konstruktion und Erosion.
Die handwerkliche Bearbeitung bleibt stets sichtbar – nichts erscheint vollkommen geglättet oder abgeschlossen. Gerade diese Offenheit verleiht den Werken ihren experimentellen Charakter. Putzer und Sanders hinterfragen traditionelle formale Kategorien und lösen die klare Trennung zwischen Objekt, Raum und Betrachter auf. Ihre Installationen und Skulpturen schaffen Erfahrungsräume, die Irritation bewusst als ästhetisches Mittel einsetzen und den Blick für neue Zusammenhänge und Wahrnehmungsebenen öffnen.
Jetzt anfragen